ddj-Qualitäts-„Battle“ beim netzwerk recheche Jahrestreffen

Was ist guter Datenjournalismus? Zu dieser Frage fand am Freitag, 3. Juli, bei der netzwerk recherche Jahreskonferenz in Hamburg ein „Qualiäts-Battle“ statt. Es diskutierten Sylke Gruhnwald vom schweizer SRF, Marco Maas (OpenDataCity), Björn Schwentker (frei) und Julius Tröger (Berliner Morgenpost). Es moderierte Astrid Csuraji.

Bevor es in die Diskussion ging, präsentierte jeder der Teilnehmer ein aktuelles Projekt aus der eigenen Feder. Sylke Gruhnwald stellte The Migrants Files vor, ein Projekt, bei dem viele Journalisten aus unterschiedlichen Staaten zusammenarbeiten. Genau dies mache das Projekt für die Journalistin so besonders. Julius Tröger präsentierte M29, wo er mit seinem Team verschiedene Faktoren wie Einkommen und Wahlverhalten entlang einer bekannten Buslinie darstellte. Dies sei laut Tröger besonders „lebensnah“.

  
Björn Schwentker stellte das „längste und wichtigste“ Projekt vor, dass er in seiner bisherigen Laufbahn gemacht habe. Dabei ging es um den letzten Zensus. Dazu untersuchte er unter anderem, welchen Gemeinden bei der Volkszählung Verluste bei den Einwohnerzahlen verzeichnen mussten, vor allem bemessen an ihrer Größe. Ein Problem: Die Daten dafür bekam der Datenjournalist nicht über offizielle, einfacher Wege. Dennoch sagt er, dass wenn er mit seinen Kollegen diese Recherche nicht gemacht hätte, hätte sie wohl keiner gemacht. Und nun könnten die Ergebnisse bei Klagen vor Gericht noch Bedeutung erlangen.

Marco Maas schließlich stellte das Lobbyradar vor, das gemeinsam mit dem ZDF entstand. Unter anderem gibt es hier ein Browser-Plugin. Maas warb zudem darum, dass andere am Projekt mitarbeiten.

Zu Beginn der nun anschließenden Debatte fragte Moderatorin Csuraji Björn Schwentker, ob das Lobbyradar ein gutes Beispiel für Datenjournalismus sei. Seine Antwort: nein. Zum Journalismus gehöre auch, zu selektieren und sich auf ein Thema zu konzentrieren. Maas widersprach: Wenn das Lobbyradar helfe, als eine Ablaufstelle diene und dabei helfe, Geschichten zu machen oder besser zu machen, sei es ein wertvolles Stück Journalismus.

Zuvor schob Schwentke bereits ein Bedenken voran: Er glaube, dass die deutsche Datenjournalisten-Szene aus Angst, das „zarte Pflänzchen“ Datenjournalismus in Deutschland kaputt zu machen, nicht kritisch genug mit Datenjournalismus umgehe. Julius Tröger betonte, dass Journalisten nachwievor mit Geschichten überraschen sollten, Datenvisualisierungen könnten dazu beitragen. Aber: Zu oft würden „Leuchtturmprojekte“ gemacht. Besser wäre es, statt Perfektionismus anzustreben, öfter auch mal auch tagesaktuelle Berichterstattung mit Datenjournalismus zu bereichern. 

Schwentker unterstrich jedoch, dass die Geschichten auch Relevanz haben müssen. Das M29 Projekt etwa sei zwar schön und spannend gestaltet, er sehe aber nicht die Story – was sei die relevante Nachricht? In alle der einzelnen Themen müsste man wenn tiefer einsteigen. Maas hielt dagegen: In Zeiten von Facebook und Co. sei es manchmal auch wichtig, eine spannende Grafik oder ähnliches zu haben, um Menschen in eine Geschichte reinzuziehen.

Tröger und Gruhnwald waren sich darüber hinaus einig, dass es wichtig sei, auszuprobieren. Die Teams oder auch einzelnen Personen hätten unterschiedliche Stärken und Defizite und müssten noch dazu lernen. Dies ginge jedoch nur, wenn man mache. 

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